Handbuch für interessierte Eltern

Wissenswertes für Schulanfänger(eltern) – von A wie Anmeldung bis Z wie Zeugnis

LOTUS bedeutet Lernraum für Offenes Tun und Sein. 25 Kinder im Alter von 6 bis 13 Jahren besuchen derzeit die 2021 neugegründete Schule. Ihre Eltern und Erziehungsberechtigten sind die Mitglieder des Vereins, der den Rahmen für diese Schule schafft.

In unserer Schule ist einiges anders. Daher haben wir hier die wichtigsten Stichworte zusammengestellt.

Abmeldung

Solange unsere Schule kein Öffentlichkeitsrecht besitzt, müssen gemäß §11 (3) des Schulpflichtgesetzes alle Kinder zum Unterricht in einer Privatschule ohne Öffentlichkeitsrecht abgemeldet werden. Es handelt sich um eine reine Formsache. Wir helfen euch dabei. Eine Rückkehr in die öffentliche Schule ist jederzeit möglich.

Aufnahme

Die Schule ist grundsätzlich offen für alle unterrichtspflichtigen Kinder – ohne Einschränkungen. Die endgültige Aufnahme erfolgt nach pädagogischen und organisatorischen Kriterien.

Der Aufnahmeprozess beginnt im November. Die Aufnahme läuft in mehreren Stufen ab, der Prozess gibt beiden Seiten Raum sich kennenzulernen, damit die Entscheidung über den Einstieg in die etwas andere Schule mit dem Herzen und dem Verstand getroffen werden kann. Details hier.

Bildungsziele

Ziel der Schule ist es, die Kinder über ihre Pflichtschulzeit zu begleiten und in diesem Rahmen Lernräume für offenes Tun und Sein zu schaffen. Die Kulturtechniken (Lesen, Schreiben, Rechnen) werden vorwiegend anhand praktischer Projekte erlernt. Wissen wird vermittelt, wenn es nachgefragt wird. Wir gehen davon aus, dass lexikalisches Wissen in Zukunft einen geringeren Stellenwert haben wird als bisher und dass kreative und soziale Kompetenzen einen noch größeren Stellenwert bekommen werden. Letztere betonen wir daher, Auswendiglernen steht nicht am Programm. Lebensfreude und Lebenskompetenz sind die Bildungsziele und die Fähigkeit sich lebenslang neues Wissen aneignen zu können, wenn es gerade notwendig ist oder Freude macht.

Das letzte Schuljahr wird als Orientierungsjahr geführt, hier bereiten sich die Kinder auf das vor, was sie weiterführend machen möchten. Bis dahin sollte die eigene Sicherheit und Klarheit so stark sein, dass diese Entscheidung fallen kann. Möglich ist alles – von der Lehre bis zur höheren Schule.

Covid-Maßnahmen

Als Privatschule unterliegen wir dem Privatschulgesetz und sind verpflichtet, das gesundheitliche Wohl der Kinder zu gewährleisten.

Digitale Werkzeuge

Wir sind überzeugt, dass Kinder, die zuerst ihre Umwelt mit allen Sinnen erfassen, später auch die digitalen Werkzeuge effektiver nutzen können. Daher kommen diese vorwiegend ab der Sekundaria zum Einsatz. Unser Motto lautet “high touch first – high tech later”. Das bedeutet, dass die Sinneserfahrungen in der realen Welt an erster Stelle stehen. Damit stärken wir die Resilienz der Kinder und verringern nicht zuletzt das Suchtrisiko. Wir erwarten, dass die Kinder dabei auch zuhause unterstützt werden.

Elternarbeit

Eltern verpflichten sich zu 40 Stunden Mitarbeit an der Schule pro Semester. Da der Betrieb und die Räume erhalten werden müssen, gibt es viele Gelegenheiten sich einzubringen: Musizieren mit den Kindern, Begleitung bei Ausflügen, Handtücher waschen, Standbetreuung am Weihnachtsmarkt, Reparaturen im Gebäude uvm.

Erreichbarkeit

Unser Schulstandort in Seekirchen am Wallersee beim Strandbad/Campingplatz ist vom Bahnhof Seekirchen zu Fuß in 15 Minuten erreichbar.

Gruppe

Die Schule wird als altersgemischte Gesamtgruppe geführt – vom Schuleintritt bis zum Austritt. Es gibt keine Aufteilung in Klassen. Aus dem Tagesablauf, den Projekten und den Interessen der Kinder ergeben sich unterschiedliche Gruppenkonstellationen. Die Lernbegleiter beobachten und begleiten den individuellen Entwicklungsprozess. Die pädagogische Arbeit orientiert sich an der Entwicklung der Kinder. Mit der 1. Schulstufe starten die Kinder in der „Primaria“ und wechseln nach der 5. Schulstufe in die „Sekundaria“ – der Unterschied liegt in einzelnen Pflichten und Rechten, die sich für sie im Schulalltag ändern. Das letzte Schuljahr wird als „Orientierungsjahr“ geführt und dient der intensiven, selbstverantwortlichen Vorbereitung für den weiteren Weg. Das kann eine höhere Schule sein oder eine Lehre oder etwas ganz anderes.

Jause

Gemeinsam bereiten die Kinder eine frische, saisonale, regionale Jause zu. Wir stellen dafür alles bereit, das Jausengeld ist im Schulgeld inkludiert. Die gemeinsame Jause ist eine Säule des Gemeinschaftslernens.

Kosten

Die Schule finanziert sich aus dem Schulgeld, Spenden, Sponsoren, Subventionen sowie Einnahmen aus Veranstaltungen. Demgegenüber stehen die Kosten für Lernbegleiter, Räume, Lernmaterial und Verwaltung. Der Verein, der den Rahmen für den Schulbetrieb schafft, ist gemeinnützig. Unser Wunsch ist es, die Schule leistbar zu gestalten und gleichzeitig den Familien Planungssicherheit zu geben, indem die Schule auf sicheren Beinen steht. Das monatliche Schulgeld beträgt derzeit monatlich 360 Euro (inkl. 40 Euro Jausenbeitrag). Dazu kommen die einmalige Einschreibgebühr und Kaution. Details im Kostenblatt.

Lehrplan

Für die Arbeit gilt der Glocksee-Lehrplan ergänzt durch den Differenz-Lehrplan. Der Lehrplan ist anerkannt vom Bildungsministerium, unterscheidet sich aber im Gestaltungsspielraum vom Lehrplan einer öffentlichen Schule.

Die Details der kognitiven Lernziele sind in unseren Lehrplänen nachzulesen. Keine Sorge, alle lernen lesen und schreiben sowie die Grundrechenarten. Motorische, emotionale und soziale Fähigkeiten sind uns jedoch ebenso wichtig. Die Kinder lernen aus eigenem Interesse, die Lernbegleiter schaffen zusätzliche Angebote. Sein Wissen wird jedes Kind nach seinen Interessen ausbauen und dabei lernen, wie es lebenslang das lernen kann, was es gerade braucht. Entwicklungsziele werden individuell jedes Jahr im Gespräch zwischen Eltern und Lernbegleitern vereinbart. Die Details zu Inhalten und Methoden finden sich im pädagogischen Konzept.

Material

Die Kinder brauchen keine Schultasche, Hefte oder Füllfeder mitzubringen. Was sie zum Lernen brauchen (Stifte, Bücher, Werkzeug, Lernmaterialien, Spielsachen, Sportgeräte), stellen wir in der Schule bereit. Auch das Materialgeld ist im Schulgeld inkludiert.

Mehraufwand

Eine Freie Schule organisiert und finanziert sich selbst. Für Eltern bedeutet das, dass sie den Schulbetrieb aktiv erhalten müssen durch Elternarbeit (40 Stunden pro Semester pro Erziehungsberechtigtem) und finanzielle Beiträge wie Schulgeld und Einschreibgebühr.

Öffentlichkeitsrecht

Das Öffentlichkeitsrecht haben wir fristgerecht beantragt. Es wird an Privatschulen in den ersten Jahren jedoch nur rückwirkend verliehen. Wir sollten ab April den Bescheid bekommen. Sollte es uns – aus welchen Gründen auch immer – nicht verliehen werden, müssen die Kinder am Ende des Schuljahres eine Externistenprüfung an einer anderen Schule ablegen. Das sind die Prüfungen, die auch für Kinder im häuslichen Unterricht Anwendung finden. In diesem Fall werden die Kinder natürlich darauf vorbereitet, eine Garantie für das Bestehen gibt es jedoch nicht. Wird diese Externistenprüfung nicht bestanden, sieht der Gesetzgeber vor, dass das Kind das Schuljahr in einer öffentlichen Schule wiederholt.

Pädagogik unterstützen

Wir erwarten, dass unser pädagogisches Konzept auch zuhause mitgetragen wird. Das bedeutet vor allem die Achtung des individuellen Lerntempos des Kindes: Nicht alle Kinder lernen etwa gleich zu Schulbeginn schreiben. Wenn der Wunsch aus dem Kind entsteht, macht das Lernen Freude und diese Freude bleibt fürs Leben (mehr dazu in unserem Pädagogischen Konzept). Und es bedeutet, den Konsum digitaler Medien auf ein Minimum zu reduzieren (siehe “Digitale Welt”).

Sprachen

Die Unterrichtssprachen sind Deutsch und Englisch. Weiterer Sprachunterricht ist nicht regelmäßig geplant, aber durchaus möglich, wenn sich Native Speaker finden, die mit den Kindern ein Projekt durchführen.

Standort

Der Schulbetrieb findet im Yogaraum Seekirchen statt, im ersten Stock des Strandbads in der Seestraße 2 – drinnen im Saal sowie draußen im Park, im Naturschutzgebiet und am See. Wir planen im Jahr 2023 nach Lochen am See umzuziehen in ein größeres Haus ebenfalls mit viel Grün und großem Garten, das wir dann alleine beleben werden.

Tagesablauf

Die Kinder kommen zwischen 7.30 und 8.30 an. Ein gemeinsamer Morgenkreis, die Jause und ein Abschlusskreis bilden die Fixpunkte, dazwischen gehen die Kinder selbständig ihren selbstgewählten Projekten nach. Um 13 Uhr schließt die Schule. Nachmittagsunterricht findet derzeit nicht statt.

Verein

Der gemeinnützige Verein “Lotus – Freie Schule Seenland” ist der Schulerhalter. Alle Eltern/Erziehungsberechtigten sind Mitglieder im Verein und verantworten damit die Rahmenbedingungen für die Schule: einen geeigneten, gepflegten Ort für den Unterricht und die finanziellen Ressourcen für die Unterrichtsarbeit. An der Vereinsarbeit können sich auch weitere Unterstützer (Nicht-Eltern) beteiligen. Mitglied werden

Werte

Unsere Werte haben wir im Leitbild niedergeschrieben. Die Natur ist unser liebster Lernraum. Die Gemeinschaft ist der Lernraum für soziales Zusammenleben und das Gestalten der Gesellschaft. Achtsamkeit mit sich selbst, den anderen und der Welt die Basis eines gelingenden Lebens. Selbstbestimmtes Lernen ist Kindern in die Wiege gelegt, denn nur so können sie ihre Potentiale ganz natürlich entfalten.

Zeiten

Die Schule ist in der Regel von Montag bis Freitag von 7.30 bis 13.00 Uhr geöffnet. Nachmittagsunterricht gibt es derzeit nicht. Die Ferienzeiten richten sich nach dem allgemeinen Schulzeitgesetz, geringfügige Abweichungen lt. §15 sind möglich.

Zeugnis

Zur Leistungsbeurteilung wird eine Entwicklungsdokumentation über jedes Kind geführt, welche den Ausgangspunkt, den Weg und das erreichte Resultat berücksichtigt. Die Entwicklungsetappen werden für jedes Kind individuell festgelegt, mit den Eltern abgesprochen und regelmäßig dokumentiert. Die Dokumentation besteht aus den Notizen der Lernbegleiter und einer Arbeitsmappe für jeden Schüler.

Anhand dieser Dokumente finden jährlich zwei Entwicklungsgespräche mit den Eltern statt. Ab der Sekundaria ist auch das Kind bei diesen Gesprächen dabei. Dabei geht es nicht um den Nachweis einzelner Leistungen, sondern um eine ganzheitliche Betrachtung.

Bei Abschluss oder Austritt aus der Schule gibt es einen Abschlussbericht des Lernbegleiters. Für den Übertritt in eine andere Schule kann ein Zeugnis ausgestellt werden.

Unsere Schule ist neu gegründet, wir werden uns gemeinsam mit den Kindern weiterentwickeln und behalten uns Änderungen vor.

Freie Kinder zu schaffen, wird die vornehmste Aufgabe dieses Jahrhunderts sein.
Rainer Maria Rilke